Orthopädie · Fachbeitrag
Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Diagnose und Behandlung
Was steckt hinter der Kalkschulter? Ursachen, Symptome, Diagnose & Therapie – verständlich erklärt vom Schulter-Spezialisten im MainMed MVZ Frankfurt.
- Ärztlich geprüft
- Aktualisiert: 18. August 2026
- 15 Min Lesezeit
01 · Ueberblick
Das Wichtigste in Kürze
- Kalkschulter entsteht durch Kalkablagerungen in Schultersehnen – häufig die Supraspinatussehne (Tendinosis calcarea, ICD-10: M75.3).
- Zum Arzt, wenn Schulterschmerzen länger als zwei Wochen anhalten oder der Arm kaum noch bewegt werden kann.
- Konservative Behandlung: Stoßwellentherapie, Physiotherapie, entzündungshemmende Medikamente.
- In rund 90 % der Fälle heilt die Kalkschulter ohne Operation aus – Prognose ist gut.
- Termin im MainMed MVZ Frankfurt vereinbaren – persönliche Beratung durch Schulter-Spezialisten.
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Was ist eine Kalkschulter und wie häufig tritt sie auf?
Die Kalkschulter (Tendinosis calcarea, ICD-10: M75.3) ist eine Erkrankung, bei der sich Kalziumkristalle (Kalziumhydroxylapatit) in den Sehnen der Rotatorenmanschette (der schützenden Muskel-Sehnen-Hülle des Schultergelenks) ablagern. Am häufigsten ist die Supraspinatussehne betroffen – jene Sehne, die das Schultergelenk von oben überbrückt und für das seitliche Anheben des Arms verantwortlich ist. Die Erkrankung tritt bevorzugt zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr auf und betrifft Frauen etwas häufiger als Männer. Schätzungen zufolge finden sich bei bis zu 20 % aller Erwachsenen bildgebend nachweisbare Kalkablagerungen an der Schulter, wobei nicht alle davon Beschwerden verursachen. Die Kalkschulter ist damit eine der häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen in der orthopädischen Praxis.Wie entsteht eine Kalkschulter? Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Entstehung der Tendinosis calcarea ist noch nicht vollständig geklärt. Als gesichert gilt, dass eine verminderte Durchblutung (Minderperfusion) in bestimmten Sehnenbereichen der Rotatorenmanschette eine zentrale Rolle spielt. Durch den Sauerstoffmangel wandeln sich Sehnenzellen in knorpelähnliche Zellen um, die Kalziumsalze einlagern. Im weiteren Verlauf können diese Ablagerungen wachsen, verhärten oder sich spontan wieder auflösen – begleitet von teils heftigen Entzündungsreaktionen. Vier Phasen lassen sich unterscheiden: In der ersten Phase (Zellumwandlung) entstehen kaum Beschwerden. Die zweite Phase (Verkalkung) ist durch zunehmende Kalkeinlagerungen geprägt, die im Ultraschall sichtbar werden. In der dritten Phase (Resorption, also Auflösung) reagiert der Körper mit einer Entzündung – diese Phase ist oft die schmerzhafteste. Die vierte Phase (Reparatur) bringt die Ausheilung, sofern das Kalkdepot vollständig resorbiert wurde.| Häufige Risikofaktoren | Seltene oder diskutierte Faktoren |
|---|---|
| Wiederholte Überkopfbewegungen (z. B. Malen, Fensterputzen) | Genetische Veranlagung |
| Überkopfsportarten (Volleyball, Schwimmen, Tennis) | Schilddrüsenerkrankungen |
| Lebensalter zwischen 35 und 55 Jahren | Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes mellitus) |
| Weibliches Geschlecht | Vorangegangene Schulterverletzungen |
| Schreibtischarbeit mit einseitiger Schulterbelastung | Hormonelle Veränderungen (z. B. Wechseljahre) |
Kalkschulter: Typische Beschwerden und Warnsignale
Die Beschwerden einer Kalkschulter können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein – von zufällig entdeckten, völlig symptomlosen Kalkdepots bis hin zu akut einsetzenden, starken Schmerzen, die jeden Arm- und Schultergebrauch unmöglich machen. Typische Leitsymptome sind:- Plötzlich einschießende oder schleichend zunehmende Schmerzen im Schultergelenk, oft ohne erkennbaren Auslöser
- Schmerzen beim seitlichen Anheben des Arms – besonders in einem bestimmten Bewegungswinkel (sogenannter »schmerzhafter Bogen«)
- Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite, die den Schlaf stören
- Schmerzen nach Überkopfarbeiten oder beim Anziehen
- Ausstrahlung der Schmerzen in den Oberarm oder bis in die Finger (durch Reizung von Nervenfasern im Sehnenbereich)
- Im akuten Schub: hochgradige Bewegungseinschränkung bis zur vorübergehenden Bewegungsunfähigkeit des Arms (Pseudoparalyse)
So klären wir eine Kalkschulter im MainMed MVZ ab
In unserer Praxis beginnen wir die Diagnostik mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Beschwerden, deren Dauer und typische Auslöser. Anschließend untersuchen wir Ihr Schultergelenk klinisch: Wir prüfen Bewegungsumfang, Kraftentfaltung und spezifische Schmerzpunkte durch gezielte Provokationstests. Das wichtigste bildgebende Verfahren bei Verdacht auf eine Kalkschulter ist die Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Sie stellt Kalkdepots in den Schultersehnen zuverlässig und ohne Strahlenbelastung dar und erlaubt uns eine Einschätzung von Größe und Konsistenz der Ablagerungen. Ergänzend fertigen wir in der Regel eine Röntgenaufnahme der Schulter an, die größere Kalkdepots ebenfalls sichtbar macht. Eine Kernspintomografie (MRT) ist für den direkten Kalknachweis weniger geeignet, kann aber bei der Suche nach Begleiterkrankungen – etwa einem Riss der Rotatorenmanschette oder einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis subacromialis) – wertvolle Zusatzinformationen liefern. Auf Basis dieser Befunde erstellen wir gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan.Behandlung der Kalkschulter (Tendinosis calcarea)
Konservative Therapie
Die überwiegende Mehrzahl der Betroffenen kann ohne Operation erfolgreich behandelt werden. Im Vordergrund stehen zunächst schmerzlindernde und entzündungshemmende Maßnahmen: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, z. B. Ibuprofen oder Diclofenac) reduzieren Entzündung und Schmerz. Bei sehr starken Beschwerden kann eine gezielte Injektion eines Lokalanästhetikums (Betäubungsmittels) in den Schulterbereich kurzfristig Erleichterung bringen. In der akuten Entzündungsphase hilft vorübergehende Schonung, ggf. unterstützt durch eine Schulterorthese. Sobald die akute Phase abklingt, ist gezielte Bewegung entscheidend: Physiotherapie verbessert die Schulterbeweglichkeit, kräftigt die Rotatorenmanschette und beugt einer Schultersteife (Frozen Shoulder) vor. Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) – bei der hochenergetische Druckwellen gezielt auf das Kalkdepot gerichtet werden – hat sich als besonders wirksame Methode erwiesen, um Kalkablagerungen aufzulösen und die körpereigenen Heilungsprozesse anzuregen. Mehrere Sitzungen sind in der Regel erforderlich. Ergänzend können physikalische Maßnahmen wie Kälteanwendungen (Kryotherapie) eingesetzt werden.Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine operative Behandlung wird erwogen, wenn konservative Maßnahmen über einen Zeitraum von mindestens sechs bis neun Monaten keine ausreichende Besserung erbracht haben, das Kalkdepot eine Größe von mehr als einem Zentimeter aufweist oder von harter Konsistenz ist, oder wenn starke Dauerschmerzen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eingesetzt wird in der Regel eine arthroskopische (gelenkspiegelnde, minimalinvasive) Entfernung des Kalkdepots mit gleichzeitiger Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach.Heilungschancen und Vorbeugung der Kalkschulter
Die Prognose der Kalkschulter ist insgesamt günstig: Bei konsequenter konservativer Behandlung bilden sich die Beschwerden bei der Mehrheit der Betroffenen innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten zurück. Kalkdepots können sich spontan auflösen – dieser Prozess ist zwar oft schmerzhaft, führt aber zur dauerhaften Beschwerdefreiheit. Rückfälle nach vollständiger Resorption des Kalkherds sind selten. Zur Vorbeugung empfehlen sich regelmäßige Schulterübungen zur Kräftigung der Rotatorenmanschette, Pausen bei einseitigen Überkopfarbeiten sowie das Erlernen ergonomischer Bewegungsabläufe im Beruf und Sport. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit und die Vermeidung von Übergewicht unterstützen die Durchblutung des Sehnengewebes.Wann sollten Sie mit Schulterschmerzen zum Arzt?
SOFORT (Notfall): Wenn nach einem Sturz oder Unfall plötzlich starke Schulterschmerzen auftreten, der Arm nicht mehr bewegt werden kann oder Taubheitsgefühle und Kribbeln in Arm oder Hand hinzukommen, suchen Sie umgehend eine Notaufnahme oder einen Arzt auf. Ein Knochenbruch oder ein vollständiger Sehnenriss müssen ausgeschlossen werden. DIESE WOCHE: Wenn Schulterschmerzen ohne erkennbaren Auslöser länger als zwei Wochen anhalten, den Schlaf stören oder alltägliche Bewegungen wie Anziehen oder Haare kämmen erheblich beeinträchtigen, vereinbaren Sie zeitnah einen Termin beim Orthopäden. Je früher eine Kalkschulter erkannt wird, desto besser sprechen Betroffene auf konservative Therapie an. BEIM NÄCHSTEN TERMIN: Wenn Sie gelegentlich Schulterschmerzen nach Überkopfarbeit oder Sport bemerken, die sich von selbst wieder legen, können Sie dies beim nächsten regulären Arztbesuch ansprechen. Eine frühzeitige Ultraschalluntersuchung kann eine beginnende Kalkschulter aufdecken, bevor starke Beschwerden entstehen.Zweite Meinung gefragt?
Vor einer Schulter-OP lohnt sich der zweite Blick.
Leiden Sie unter Schulterschmerzen und vermuten eine Kalkschulter? Im MainMed MVZ Frankfurt steht Ihnen unser orthopädisches Schulter-Spezialisten-Team mit moderner Ultraschall-Diagnostik und individueller Behandlungsplanung zur Seite. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin – persönlich, kompetent und auf dem neuesten medizinischen Stand.
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Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie · MainMed MVZ Frankfurt
Privat & KasseZusammenfassung
Zentrale Erkenntnisse
• Vier Krankheitsphasen: Die Erkrankung verläuft typischerweise in Phasen – von der Zellumwandlung über die Verkalkung und Resorption bis zur Reparatur.
• Ultraschall ist entscheidend: Im Gegensatz zum MRT stellt der Ultraschall Kalkdepots in Schultersehnen besonders zuverlässig dar.
• Selbstheilung möglich: Kalkdepots können sich spontan auflösen – geduldige, konsequente konservative Therapie ist daher der erste Schritt.
Fazit
FAQ
Haeufig gestellte Fragen
Was sind die häufigsten Ursachen einer Kalkschulter?
Hauptursache ist eine verminderte Durchblutung der Schultersehnen, insbesondere der Supraspinatussehne. Dadurch lagern sich Kalziumkristalle im Sehnengewebe ab. Begünstigende Faktoren sind Überkopfarbeit, bestimmte Sportarten sowie das mittlere Lebensalter zwischen 35 und 55 Jahren. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Wann sollte ich wegen Schulterschmerzen zum Arzt?
Suchen Sie innerhalb von zwei Wochen einen Orthopäden auf, wenn Schulterschmerzen ohne erkennbaren Auslöser anhalten, den Schlaf stören oder Alltagsbewegungen einschränken. Bei plötzlichem Kraftverlust oder Taubheitsgefühlen im Arm ist eine sofortige Vorstellung empfehlenswert.
Wie wird eine Kalkschulter diagnostiziert?
Die Diagnose wird durch eine klinische Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) und eine Röntgenaufnahme der Schulter gestellt. Das MRT ist für den direkten Kalknachweis weniger geeignet, kann aber Begleiterkrankungen aufdecken.
Wie lange dauert die Behandlung einer Kalkschulter?
Bei konservativer Therapie sind in der Regel mehrere Wochen bis Monate einzuplanen. Die Stoßwellentherapie erfordert meist drei bis fünf Sitzungen. Eine operative Behandlung wird frühestens nach sechs bis neun Monaten ohne ausreichenden Therapieerfolg erwogen.
Kann man einer Kalkschulter vorbeugen?
Vollständig vermeiden lässt sich die Kalkschulter nicht, da die Ursachen nicht vollständig bekannt sind. Regelmäßige Schulterübungen zur Kräftigung der Rotatorenmanschette, ergonomische Arbeitsgestaltung und Pausen bei Überkopfarbeit können das Risiko jedoch verringern.
Wo behandle ich eine Kalkschulter in Frankfurt?
Im MainMed MVZ Frankfurt sind Sie bei unserem orthopädischen Schulter-Spezialisten-Team in erfahrenen Händen. Wir bieten moderne Diagnostik (Ultraschall, Röntgen) und individuelle Therapieplanung – von der Stoßwellentherapie bis zur operativen Versorgung. Termine sind online buchbar.
Medizinische Codierung (ICD-10): M75.3






