Orthopädie · Fachbeitrag

Epicondylitis - Tennisarm: Ursachen, Diagnose & Behandlung

Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis): Ursachen, typische Symptome & Therapie. Jetzt im MainMed MVZ Frankfurt diagnostizieren & behandeln lassen.

  • Ärztlich geprüft
  • Aktualisiert: 18. August 2026
  • 10 Min Lesezeit

01 · Ueberblick

Das Wichtigste in Kürze

  • Tennisarm Epicondylitis entsteht durch Überlastung der Unterarmstreckmuskulatur am Ellenbogen.
  • Bei anhaltenden Schmerzen über 1–2 Wochen trotz Schonung: Facharzt aufsuchen.
  • Konservative Therapie (Physiotherapie, Stoßwellen, Schiene) hilft in rund 90 % der Fälle.
  • Die Mehrzahl der Betroffenen wird ohne Operation dauerhaft beschwerdefrei.
  • Jetzt Termin im MainMed MVZ Frankfurt vereinbaren und fachärztlich abklären lassen.
Auf dieser Seite

Was ist der Tennisarm – und wen trifft er?

Der Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis, ICD-10: M77.1) ist eine Ansatztendinopathie (Sehnenansatzerkrankung) an der Außenseite des Ellenbogens. Betroffen sind die Sehnenansätze der Handgelenks- und Fingerstreckmuskulatur, die am seitlichen Knochenvorsprung des Oberarmknochens (Epikondylus radialis humeri) entspringen. Durch wiederholte Zugbelastung entstehen dort kleinste Gewebeeinrisse, die eine lokale Entzündungsreaktion auslösen und zu teils erheblichen Schmerzen führen. Nicht zu verwechseln ist der Tennisarm mit dem Golferellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris, ICD-10: M77.0), bei dem die Innenseite des Ellenbogens betroffen ist.

Schätzungen zufolge erkranken jährlich 1 bis 3 % der erwachsenen Bevölkerung an einem Tennisarm. Am häufigsten sind Personen zwischen 35 und 55 Jahren betroffen; Frauen und Männer erkranken gleich häufig. Entgegen dem verbreiteten Eindruck spielt der Tennissport heute eine untergeordnete Rolle als Auslöser: Die Mehrzahl der Patienten entwickelt die Beschwerden durch berufliche oder alltägliche Tätigkeiten.

Gut zu wissen: Der Tennisarm wird auch als »Laterale Epikondylopathie« bezeichnet. Der Begriff »Epikondylitis« (Entzündung des Epikondylus) ist streng genommen nicht immer zutreffend, da in chronischen Fällen degenerative Sehnenschäden ohne klassische Entzündungszeichen überwiegen können.

Anatomische Darstellung des Ellenbogens mit gereiztem Sehnenansatz am aeusseren Epicondylus beim Tennisellenbogen

Wie entsteht ein Tennisarm? Ursachen und Risikofaktoren

Die zentrale Ursache des Tennisarms ist die mechanische Überlastung der Unterarmstreckmuskulatur durch einseitige, sich wiederholende Bewegungen. Werden diese Muskeln über einen längeren Zeitraum zu stark beansprucht, entstehen am Sehnenansatz winzige Risse (Mikrotraumata). Der Körper kann diese zunächst reparieren, doch bei anhaltender Belastung übersteigt die Schädigung die Regenerationskapazität – eine Entzündungsreaktion und letztlich eine strukturelle Sehnenschädigung sind die Folge. Zusätzlich begünstigen chronische Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur die Entstehung, da ein erhöhter Muskeltonus die Sehne dauerhaft überspannt.

Häufige Auslöser Seltenere Auslöser
Büroarbeit mit Maus und Tastatur (stundenlange Unterarmbelastung) Tennisspielen mit falscher Schlagtechnik oder falschem Schläger
Handwerkliche Tätigkeiten: Schrauben, Streichen, Sägen Andere Schlägersportarten (Badminton, Squash)
Monotone Drehbewegungen (z. B. bei Mechanikern oder Köchen) Plötzliche Kraftanstrengung ohne ausreichendes Aufwärmen
Schwere Werkzeuge häufig und einseitig einsetzen Rheumatische Grunderkrankungen als begünstigender Faktor
Tipp: Wer viel am Computer arbeitet, sollte auf eine ergonomische Mausposition achten. Eine sogenannte Vertikalmaus hält den Unterarm in einer neutralen Drehstellung und reduziert die Belastung am Sehnenansatz spürbar.

Tennisarm/Epicondylitis: Typische Beschwerden im Überblick

Das Leitsymptom des Tennisarms ist ein stechender oder brennender Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens, der bei Belastung des Unterarms deutlich zunimmt. Zu Beginn treten die Schmerzen meist nur bei bestimmten Bewegungen auf; im fortgeschrittenen Stadium können sie auch in Ruhe und nachts auftreten.

  • Druckschmerz am äußeren Ellenbogenknöchel (Epikondylus radialis)
  • Stechende Schmerzen beim Strecken des Handgelenks gegen Widerstand
  • Ausstrahlung der Schmerzen in den Unterarm, gelegentlich bis in die Hand
  • Kraftverlust beim Greifen: Händeschütteln, Flaschen halten oder fester Faustschluss sind schmerzhaft oder kaum möglich
  • Gelegentlich sichtbare Schwellung oder Wärme über dem Sehnenansatz
Achtung: Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Arm sowie eine plötzlich aufgetretene, vollständige Kraftlosigkeit können auf eine Nerveneinklemmung in der Halswirbelsäule oder einen Sehnenriss hinweisen. In diesen Fällen sollten Sie zeitnah – möglichst innerhalb weniger Tage – einen Facharzt aufsuchen.

So klären wir den Tennisarm im MainMed MVZ ab

In unserer Praxis beginnen wir die Diagnostik mit einer ausführlichen Anamnese (Krankengeschichte): Wir fragen nach der genauen Schmerzlokalisation, dem zeitlichen Verlauf, Ihrer beruflichen Tätigkeit und sportlichen Aktivität. Anschließend folgt die klinische Untersuchung, bei der wir gezielt Provokationstests einsetzen.

Ein zentraler Test ist der sogenannte Thomsen-Test: Wir bitten Sie, das Handgelenk gegen unseren Widerstand zu strecken. Löst diese Bewegung den typischen Schmerz am äußeren Ellenbogen aus, bestätigt das den Verdacht auf einen Tennisarm erheblich. Ergänzend tasten wir den Epikondylus direkt ab – ein punktueller Druckschmerz ist ein weiteres charakteristisches Zeichen.

Zur weiterführenden Bildgebung setzen wir je nach Befund folgende Verfahren ein:

  • Ultraschall (Sonografie): Darstellung von Sehnenverdickungen, strukturellen Schäden und lokaler Entzündungszeichen in Echtzeit
  • Röntgen: Ausschluss knöcherner Veränderungen oder Verkalkungen am Sehnenansatz
  • MRT (Magnetresonanztomografie): Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf Begleitschäden (z. B. Knorpelschäden, freie Gelenkkörper)

Wichtig ist die Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen (Differenzialdiagnose): Schleimbeutelentzündung (Bursitis), Ellenbogenarthrose, Nerveneinklemmung im Bereich der Halswirbelsäule oder ein Golferellenbogen (ICD-10: M77.0) können ähnliche Beschwerden verursachen und erfordern eine andere Therapie.

Gut zu wissen: In manchen Fällen injizieren wir ein lokales Betäubungsmittel direkt an den Sehnenansatz. Lassen die Schmerzen daraufhin deutlich nach, gilt dies als zusätzliche Bestätigung der Diagnose Tennisarm Epicondylitis.

Tennisarm behandeln: Von der Schonung bis zur Operation

Konservative Therapie

Bei rund 90 % der Betroffenen führt die konservative Behandlung zur vollständigen Beschwerdefreiheit. Im Mittelpunkt steht zunächst die gezielte Entlastung: Der betroffene Arm sollte geschont und schmerzauslösende Bewegungen konsequent vermieden werden. Eine vollständige Ruhigstellung im Gips empfehlen wir ausdrücklich nicht, da der damit verbundene Muskelabbau die Genesung verzögert.

Folgende Maßnahmen haben sich in der Praxis bewährt:

  • Physiotherapie mit exzentrischem Training: Gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen, die den Sehnenansatz schrittweise belasten und zur Gewebeadaption führen
  • Stoßwellentherapie (ESWT): Energiereiche Schallwellen regen die Durchblutung an und fördern die Selbstheilung des Sehnengewebes
  • Epikondylitisspange (Unterarmband): Reduziert den Zug am Sehnenansatz und entlastet die betroffene Struktur im Alltag
  • Kinesio-Tape: Unterstützt die Muskulatur, verbessert die lokale Durchblutung und kann die Schmerzwahrnehmung günstig beeinflussen
  • Kälte- oder Wärmeanwendung: Kühlung bei akuter Entzündung, Wärme bei chronischen Beschwerden zur Muskelentspannung
  • Entzündungshemmende Medikamente (NSAR): Ibuprofen oder Diclofenac – oral oder als Gel – zur kurzfristigen Schmerzlinderung
  • Lokale Infiltration: Injektion eines Lokalanästhetikums oder – bei ausgewählten Fällen – plättchenreichem Plasma (PRP) zur Unterstützung der Sehnenheilung

Wann ist eine Operation nötig?

Eine operative Behandlung wird erst dann erwogen, wenn nach 6 bis 12 Monaten konsequenter konservativer Therapie keine ausreichende Besserung eingetreten ist. Infrage kommen arthroskopische (gelenkspiegelnde) Verfahren, bei denen die veränderten Sehnenfasern eingekerbt oder abgetragen werden, sowie in seltenen Fällen eine offene Revision des Sehnenansatzes.

Operation bei Tennisarm? Eine Operation ist glücklicherweise eine sehr seltene Ausnahme. Mit guter, teils umfangreicher konservativer Therapie bestehen sehr gute Heilungschancen.

Belastung des Ellenbogens bei wiederholter Handgelenks- und Unterarmarbeit als Ausloeser einer Epicondylitis

Heilungschancen und Vorbeugung beim Tennisarm

Die Prognose des Tennisarms ist grundsätzlich gut: Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen erreicht mit konservativer Therapie innerhalb von drei bis sechs Monaten dauerhafte Beschwerdefreiheit. Wer frühzeitig behandelt und die auslösenden Belastungen konsequent anpasst, hat die besten Chancen auf eine rasche Genesung. Entwickelt sich hingegen ein chronischer Tennisarm, kann die Heilung mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Für die langfristige Vorbeugung sind folgende Maßnahmen besonders wirksam:

  • Regelmäßiges Dehnen und Kräftigen der Unterarmmuskulatur, insbesondere vor einseitigen Belastungen
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: angepasste Mausposition, korrekte Schreibtischhöhe, gelegentliche Pausen bei Bildschirmarbeit
  • Technikoptimierung im Sport: professionelle Schlaganalyse beim Tennis, geeignetes Schlägergewicht und korrekte Griffstärke
  • Stärkung der gesamten Schulter-Arm-Kette, da Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich den Sehnenansatz am Ellenbogen zusätzlich belasten

Wann sollten Sie wegen Ellenbogenschmerzen zum Arzt?

SOFORT (dringend): Wenn nach einem Unfall oder Sturz plötzlich starke Schmerzen, eine sichtbare Fehlstellung des Ellenbogens oder ein vollständiger Kraftverlust im Arm auftreten, suchen Sie unverzüglich eine Notaufnahme oder einen Facharzt auf. Kribbeln, Taubheit oder Lähmungszeichen im Arm erfordern ebenfalls eine rasche Abklärung.

DIESE WOCHE: Wenn Ellenbogenschmerzen trotz Schonung und Kühlung nach ein bis zwei Wochen nicht nachlassen, der Schmerz in Ruhe oder nachts auftritt oder alltägliche Greifbewegungen kaum noch möglich sind, vereinbaren Sie zeitnah einen orthopädischen Termin. Je früher der Tennisarm Epicondylitis behandelt wird, desto geringer ist das Risiko einer Chronifizierung.

BEIM NÄCHSTEN TERMIN: Wenn Sie gelegentliche, belastungsabhängige Schmerzen am Ellenbogen bemerken, die sich nach kurzer Pause wieder bessern, können Sie dies beim nächsten regulären Arzttermin ansprechen. Nutzen Sie die Zeit, um schmerzauslösende Tätigkeiten zu reduzieren und erste Dehnübungen auszuprobieren.

Zweite Meinung gefragt?

Vor einer Hand-OP lohnt sich der zweite Blick.

Leiden Sie unter Ellenbogenschmerzen und vermuten einen Tennisarm? Im MainMed MVZ Frankfurt untersuchen wir Sie mit moderner Diagnostik und erarbeiten gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin – persönlich, kompetent und auf dem neuesten medizinischen Stand.

Ihre Zweitmeinung erhalten Sie bei

Thomas Schuster

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie · MainMed MVZ Frankfurt

Thomas Schuster im MainMed MVZ Frankfurt Privat & Kasse

Zusammenfassung

Zentrale Erkenntnisse

Häufige Erkrankung: Rund 1–3 % der Bevölkerung erkranken jährlich an einem Tennisarm, besonders Menschen zwischen 35 und 55 Jahren.

Kein reines Sportlerleiden: Büroarbeit, Handwerk und monotone Alltagsbewegungen verursachen heute mehr Fälle als der Tennissport selbst.

Mikrorisse als Auslöser: Chronische Überlastung erzeugt winzige Gewebeeinrisse (Mikrotraumata) am Sehnenansatz, die zu Entzündung und Schmerz führen.

Früh behandeln lohnt sich: Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto geringer ist das Risiko einer schmerzhaften Chronifizierung.

Fazit

Der Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis, ICD-10: M77.1) ist eine häufige, gut behandelbare Überlastungserkrankung, die bei frühzeitiger Therapie in der großen Mehrzahl der Fälle ohne Operation ausheilt. Entscheidend sind die korrekte Diagnose zur Abgrenzung anderer Ellenbogenerkrankungen sowie eine konsequente, individuell angepasste konservative Therapie. Wenn Sie unter anhaltenden Ellenbogenschmerzen leiden, empfehlen wir Ihnen, zeitnah einen Termin im MainMed MVZ Frankfurt zu vereinbaren – damit aus einem akuten Tennisarm kein chronisches Problem wird.

FAQ

Haeufig gestellte Fragen

Was sind die häufigsten Ursachen des Tennisarms?

Die häufigste Ursache ist die wiederholte Überlastung der Unterarmstreckmuskulatur durch einseitige Bewegungen – typischerweise bei Büroarbeit, Handwerk oder Haushaltstätigkeiten. Entgegen dem Namen ist Tennisspielen heute nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen der eigentliche Auslöser. Chronische Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich können die Entstehung zusätzlich begünstigen.

Wann sollte ich wegen Ellenbogenschmerzen zum Arzt?

Suchen Sie einen Facharzt auf, wenn die Schmerzen trotz Schonung nach ein bis zwei Wochen nicht nachlassen, in Ruhe oder nachts auftreten oder das Greifen deutlich eingeschränkt ist. Bei Taubheitsgefühlen oder Kraftverlust ist eine rasche Abklärung innerhalb weniger Tage empfehlenswert.

Wie wird der Tennisarm diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich auf die klinische Untersuchung mit gezielten Provokationstests (z. B. Thomsen-Test) sowie auf bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT. Diese helfen, andere Erkrankungen wie Schleimbeutelentzündung, Ellenbogenarthrose oder eine Nerveneinklemmung auszuschließen.

Wie lange dauert die Behandlung eines Tennisarms?

Bei frühzeitig begonnener konservativer Therapie sind viele Patienten nach drei bis sechs Monaten beschwerdefrei. Chronische Verläufe können länger dauern. Eine Operation ist nur selten und erst nach erfolgloser konservativer Therapie über mindestens sechs Monate sinnvoll.

Kann man einem Tennisarm vorbeugen?

Ja: Regelmäßiges Dehnen und Kräftigen der Unterarmmuskulatur, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und Technikoptimierung im Sport reduzieren das Risiko erheblich. Kurze Pausen bei einseitigen Tätigkeiten und eine Stärkung der gesamten Schulter-Arm-Kette sind ebenfalls wirksame Vorbeugemaßnahmen.

Wo behandle ich einen Tennisarm in Frankfurt?

Im MainMed MVZ Frankfurt stehen Ihnen erfahrene Fachärzte für Orthopädie mit moderner Diagnostik und individuell abgestimmter Behandlungsplanung zur Verfügung. Termine sind bequem online buchbar.

Medizinische Codierung (ICD-10): M77.1, M77.0

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